Dürfen Mähroboter nachts mähen?
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Dürfen Mähroboter nachts mähen?

Mähroboter arbeiten anders als herkömmliche Rasenmäher und hegen und pflegen deinen Rasen jeden Tag für mehrere Stunden. Dadurch verbringen sie dort deutlich mehr Zeit, als dein Rasenmäher, der vielleicht einmal pro Woche zum Einsatz kommt. Wenn es dir wie mir am Anfang geht kommt bei dir sicher schnell die Frage auf: Dürfen Mähroboter auch nachts fahren? Das ist keine selten gestellte Frage, die ich hier nun beantworten möchte.

Dürfen Mähroboter nachts mähen? Es gibt kein generelles bundesweites Verbot für den nächtlichen Betrieb von Mährobotern, so dass sie grundsätzlich auch währen der Nacht eingesetzt werden dürfen. Allerdings ist die Nachtruhe stets zu waren. Die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) sieht für Wohngebiete einen Grenzwert von 40 dB vor. Zudem gibt es meist Lärmschutzverordnungen auf Landes- oder Gemeindeebene mit zusätzlich einschränkenden Bestimmungen.

Das ganze Thema ist doch recht kompliziert. Im Allgemeinen darfst du zwar Mähroboter nachts betreiben, aber nur wenn du gegen keines der ganzen Gesetze verstößt und nicht die Nachtruhe deiner Nachbarn störst. Ich versuche hier mal etwas Licht ins Dunkel zu bringen 😉

Nachtbetrieb mit Mähroboter – wie ist die Rechtslage?

Die Lärmproduktion auf deinem Grundstück wird grundsätzlich von drei Seiten her reglementiert. Es gibt bundesweite Gesetze, die eingehalten werden müssen, „Lärmschutzverordnungen“ einzelner Bundesländer, Gemeinden und Städte, die Bestimmungen enthalten, wann du wie viel Lärm produzieren darfst, sowie Vereinbarungen im Mietvertrag bzw. der Hausordnung, an die du dich halten musst.

Schauen wir uns das im Einzelnen mal an.

Regelungen auf Bundesebene

  • Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung
  • Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm
  • Bürgerliches Gesetzbuch (BGV)

Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung

Hier gibt es die Bundes-Immissionsschutzverordnung (BlmSchV), die eine Sammlung von Rechtsverordnungen darstellt, welche dem Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen durch Luftverschmutzung und Lärm dienen.

Eine dieser Rechtsverordnungen ist die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung, die die erlaubten Betriebsmöglichkeiten von bestimmten im Anhang der Verordnung genannten Geräten im Freien regelt. Hierunter fallen verschiedene Geräte- und Maschinenarten, zu denen Baumaschinen, aber auch Gartengeräte zählen.

Genau diese Verordnung regelt die Betriebszeiten von herkömmlichen Rasenmähern. Je nach Lautstärke des Rasenmähers (Benzinmäher sind lauter als Elektro-Rasenmäher) gibt es hier sogar noch mal eine weitere Unterteilung bzw. für sehr laute Geräte noch strengere Vorschriften.

Für alle Rasenmäher gilt auf jeden Fall, dass sie an Sonn- und Feiertagen sowie an Werktagen von 20 Uhr abends bis 7 Uhr morgens nicht eingesetzt werden dürfen. Ein Verstoß kann mit einem Bußgeld bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Unter diese Verordnung fallen allerdings keine Mähroboter, da sie nicht als Rasenmäher klassifiziert sind. Mähroboter sind hier noch in einer Grauzone. In der Regelung sind aber nur Geräte einbezogen, die explizit im Anhang des Gesetzes aufgeführt sind. Ein Mäher ist demzufolge ein „von handgeführtes oder anders sitzend geführtes Gerät“.

Dieses Gesetz verbietet den Einsatz von Rasenmäher in der Nacht, ganz gleich ob sich jemand dran stört oder nicht. Da es nicht für Mähroboter gilt, ist der nächtliche Einsatz von Mähroboter nicht generell verboten.

Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm

Bei der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) handelt es sich um eine allgemeine Verwaltungsvorschrift in Deutschland, zum Schutz der Allgemeinheit und der Nachbarschaft vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geräusche. Hierin werden ganz konkret bestimmte Grenzwerte in Dezibel angegeben, die nicht überschritten werden dürfen.

Je nach Gebiet in dem du lebst gelten hier andere Richtwerte. Als Grundlage zur Bestimmung des „Gebiets“ werden die Ausweisungen in einem Bebauungsplan oder Flächennutzungsplan der Stadt verwendet. Schau dir einfach mal nachfolgende Tabelle an, dann hast du bestimmt eine grobe Ahnung, in was für einem Gebiet du wohnst, auch wenn die feineren Unterteilungen wohl nicht unbedingt ganz klar sind. Diese kannst du aber bei deiner Gemeinde oder Stadt in Erfahrung bringen.

Ausweisung Immissionsrichtwert tags (6:00 bis 22:00 Uhr)  Immissionsrichtwert nachts (22:00 bis 6:00 Uhr)
Industriegebiet 70 dB(A) 70 dB(A)
Gewerbegebiet 65 dB(A) 50 dB(A)
Urbanes Gebiet 63 dB(A) 45 dB(A)
Kern-, Dorf- und Mischgebiet 60 dB(A) 45 dB(A)
Allgemeines Wohngebiet 55 dB(A) 40 dB(A)
Reines Wohngebiet 50 dB(A) 35 dB(A)
Kurgebiet, Krankenhaus und Pflegeanstalt 45 dB(A) 35 dB(A)

Das ist die Regelung auf Bundesebene. Für dein Bundesland oder deine Gemeinde kann es ebenfalls eine solche Tabelle geben, die Vorrang vor der Bundesweiten Regelung hat und Geräuschemissionen noch strenger reglementieren kann.

Der Lärmpegel in Dezibel wird übrigens ab Beginn des Grundstücks deines Nachbarn gemessen, also an der Grundstücksgrenze. Wenn dir nicht klar ist, wie das mit den Dezibel genau funktioniert oder was Dezibel überhaupt ist, lies am besten hierzu in diesem Artikel den ersten Abschnitt.

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)

In bestimmten Fällen des Nachbarschaftslärms findet auch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGV) Verwendung und zwar die Paragrafen § 906 BGB und § 1004 BGB. Hier geht es um Dinge wie beispielsweise die Beeinträchtigung der Nutzung des eigenen Grundstückes, also z. B. durch Lärmbelästigung durch den Nachbarn, aber auch Geruchsbelästigung oder Rauch. Hier wird wohl eher im Einzelfall entschieden, was Belästigung ist und was nicht.

Regelungen auf Landes- und Kommunalebene

  • Nachtruhe
  • Lärmschutzverordnungen und Immissionsrichtwerte

Die Nachtruhe ist etwas komplizierter, da sie durch mehrere Verordnungen bestimmt wird. Auch hier spielt das obige Bundesimmissionsschutzgesetz (BlmSchG) mit ein, aber auch Bestimmungen verschiedener Landesimmissionsschutzgesetze und europäischen Richtlinien zum Umgebungslärm. Auch auf kommunaler Ebene kann es Regelungen geben.

Hier kannst du mehr über die Gesetzeslage der Nachtruhe lesen.

Im Allgemeinen dauert die Nachtruhe in Deutschland jedoch von 22 Uhr bis 6 Uhr. Sie verbietet Betätigungen, welche die Nachtruhe stören. Es werden auch Ausnahmen geregelt, beispielsweise für Industriegebiete.

Des Weiteren können Länder und Kommunen weitere Verordnungen erlassen, die die Benutzung von Geräten bzw. die Lärmproduktion zu verschiedenen Zeiten während des Tags oder der Nacht regeln können.

Zum Beispiel können von der obigen Tabelle abweichende Werte festgelegt werden, oder spezielle Bestimmungen für bestimmte Geräte festgelegt werden. Hier musst du dich bei deiner Kommune informieren, da es wirklich in jeder Kommune andere Bestimmungen geben kann und ich die hier leider nicht alle zusammengefasst kriege.

Regelungen in Mietverträgen oder Hausordnungen

Wohnst du zur Miete können im Mietvertrag zusätzliche Regelungen festgelegt sein, wie etwa spezielle Ruhezeiten, die eingehalten werden müssen. Wenn du diese Regelungen missachtest, kannst du zunächst abgemahnt werden und bei wiederholtem Verstoß dein Mietvertrag gekündigt werden.

Auch bei Eigentumswohnungen in einem Mehrparteienhaus kann es spezielle Hausordnungen geben, die die Lärmproduktion reglementieren. Schaue also in den Mietvertrag und/oder die Hausordnungen an, ob du eventuell mit deinem Mähroboter beim Mähen in der Nacht Probleme kriegen könntest.

In Gebieten mit sehr enger Bebauung ist es meiner Einschätzung nach eher schwierig und unratsam, einen Mähroboter während der Nacht zu betreiben, ohne einen Nachbarn zu stören. Es kommt aber auf deine individuelle Situation an.

Wie kannst du deinen Mähroboter nachts mähen lassen

Jetzt sind wir durch den ganzen Gesetzesdschungel endlich durch und können uns das nächtliche Mähen mal in der Praxis anschauen. Wann und wie kannst du deinen Mähroboter nachts mähen lassen?

Nachtbetrieb ist mitten im Stadtgebiet schwierig. Besonders leisen Mähroboter wählen

Es ist natürlich sehr von deiner Wohnsituation abhängig, wie gut oder weniger gut der nächtliche Betrieb deines Mähroboter zu bewerkstelligen ist. Wenn du mitten in der Stadt wohnst, in einem sehr dich bebautem Gebiet, wird es wahrscheinlich eher schwierig werden, da du eventuell einen Nachbarn mit deinem Mähroboter stören könntest.

Ich würde aber mal sagen, dass es im Stadtgebiet auch nicht unbedingt notwendig ist. Denn wenn du mitten in der Stadt wohnst, ist dein Garten wahrscheinlich auch recht klein. Wenn dein Garten nicht so groß ist, brauchst du den Mähroboter gar nicht in der Nacht fahren lassen. Eine bessere Alternative wäre dann, einen Mähroboter zu wählen, der genug Flächenleistung hat, um mit dem Garten in sehr kurzer Zeit fertig zu werden.

Beispielsweise könntest du ein Modell wählen, das nur 3 oder 4 Stunden vormittags mähen muss, während alle Leute auf der Arbeit sind. Dann lässt du ihn um 9 Uhr losfahren, er dreht seine Runden und ist um 13 Uhr schon fertig mit der Arbeit.

Dennoch will ich nicht ausschließen, dass es auch in dichter bebauten Gebieten möglich ist, einen Mähroboter nachts zu betreiben, ohne eine Belästigung zu produzieren. Das hängt auch ein bisschen von deinen Nachbarn ab, aber auch von deinem Gerät.

Ganz wichtig ist es dann auf jeden Fall, dass du einen Mähroboter wählst, der besonders leise ist. Mähroboter können nämlich in ihrer Lautstärke stark variieren. Die lautesten kommen auf stolze 75 dB, während es extrem leise Mähroboter mit nur 56 dB gibt (HUSQVARNA und GARDENA).

Eine komplette Übersicht über das Thema, wie laut Mähroboter sind, bekommst du hier.

Wohnsituation mit mittlerem bis viel Platz

Wenn du eher am Stadtrand wohnst oder gar in ländlichen Gebieten, kann es schon einfacher sein, einen Mähroboter nachts zu betreiben. Es gibt nicht wenige Mähroboter Besitzer, die ihren Mähroboter nachts fahren lassen, gerade jene die sehr große Gärten haben.

Manche Geräte sind so leise, dass sie aus einer gewissen Entfernung, selbst bei offenem Fenster und in der Nacht nicht zu hören sind. Auf großen Flächen kann es auch durchaus notwendig sein, den Mähroboter nachts fahren zu lassen, damit er die Fläche überhaupt schafft.

Viele Beispiele haben auf jeden Fall schon gezeigt, dass es problemlos möglich sein kann, den Mähroboter auf einem ausreichend großen Grundstück, bzw. mit einem gewissen Abstand zum Nachbarn, auch während der kompletten Nacht fahren zu lassen.

Was oft Wunder wirken kann: Kommunikation mit dem Nachbarn

Wenn du ein einigermaßen gutes Verhältnis mit dem Nachbarn hast, kannst du dich auch einfach mit ihm absprechen. Rede einfach mit ihm, dass du mal ausprobieren möchtest, ob du deinen Mähroboter nachts fahren lassen kannst, ohne dass es ihn stört. Ihr könnt ja eine Art Testlauf machen, dass du den Mähroboter erst mal nur am späten Abend fahren lässt und er dir berichtet, ob er das Mähgeräusch wahrgenommen und als störend empfunden hat.

Das geht natürlich nicht mit jedem Nachbarn, es gibt ja auch diese Problemfälle. Aber wenn du nicht gerade auf Kriegsfuß mit deinem Nachbarn bist, kann da ein Bierchen und ein nettes Gespräch oft Wunder wirken.

Wenn er dann merkt, dass es ihn doch stört, musst du den Nachtbetrieb eben einstellen. Dem Nachbarschaftsfrieden wegen würde ich da nicht zu sehr drauf pochen, den Mähroboter nachts fahren zu lassen, zumal du dich zum Teil auch in einer rechtlichen Grauzone bewegst 😉

Für Igel ist der nächtliche Betrieb des Mähroboters gefährlich

Wenn du deinen Mähroboter nachts betreiben möchtest, muss ich dich auf eine wichtige Sache hinweisen. Für Igel und andere dämmerungs- und nachtaktive Tiere stellt es eine große Gefahr dar, wenn dein Mähroboter nachts mäht.

Igel kommen tagsüber nur sehr selten aus ihrem Versteck und sind daher relativ sicher vor deinem Mähroboter. Während der Dämmerung und nachts kommen sie jedoch raus, um auf Nahrungssuche zu gehen. Die Gefahr, dass der Igel mit dem Mähroboter in Kontakt kommt, ist daher um ein vielfaches größer.

Das Problem ist hierbei, dass der Igel den relativ leisen Mähroboter nicht so schnell bemerkt oder nicht als Gefahr erkennt. Erst im letzten Moment, oder wenn der Mähroboter ihn berührt, nimmt er die Gefahr war. Es liegt aber in der Natur des Igels, sich dann nicht schnell in Sicherheit zu retten, sondern als Kugel zusammenzurollen.

Das hilft ihm jedoch leider nicht gegen die scharfen Klingen des Mähroboters. Igel können auf diese Weise lebensgefährliche Verletzungen davontragen.

Wenn du deinen Mähroboter auf jeden Fall nachts einsetzen möchtest und du glaubst, dass du einen Igel im Garten hast, gibt es die Möglichkeit einen Igelschutz an deinem Mähroboter anzubringen. Das ist im Prinzip das gleiche wie eine Apfelschürze.

Ein Igelschutz/Apfelschürze ist eine längliche, flexible, dünne Platte oder auch ein Gitter, das du vorne an deinem Mähroboter anbringst. Dieses wirkt wir ein „Kuhschieber“ sorgt dafür, dass kein Igel unter den Mähroboter gelangen kann. Du kannst es z. B. wie in diesem Beispiel anbringen. Geeignete Lochbleche findest du z. B. hier auf Amazon, oder eventuell auch im Baumarkt.

Mehr zum Thema wie du Igel vor deinem Mähroboter schützen kannst, findest du hier.

Verwandte Fragen

Wie oft sollte der Rasenroboter mähen? Ein Mähroboter sollte im Idealfall täglich den Rasen mähen, um das beste Ergebnis zu erzielen. Es ist auch möglich, den Mähroboter nur alle zwei Tage einzusetzen, wenn er eine ausreichende Flächenleistung aufweist. Noch seltener sollte er jedoch nicht mähen, da der Rasenmulch beim Mähen sonst zu lang wird und Probleme wie Rasenfilz verursachen kann.

Darf der Mähroboter sonntags mähen? Da Mähroboter nicht der Geräte- und Lärmschutzverordnung unterliegen (Stand Frühjahr 2019) dürfen sie auch sonntags mähen. Trotzdem muss die Sonntagsruhe eingehalten werden, das heißt es darf zu keiner zu großen Lärmbelästigung kommen. Wie hoch der Grenzwert hierfür ist, kann im Lärmschutzverordnungen des Landes oder der Kommune festgelegt sein. In jedem Fall sollte ein leises Modell gewählt werden, wenn sonntags gemäht werden soll.

Über den Autor
Matthias

Matthias

Matthias Müller ist einer der Gründer dieses Blogs. Er beschäftigt sich leidenschaftlich gern mit allen Themen rund um Automatisierung, Robotik und Zukunftstechnologien. Gleichzeitig ist er ein großer Naturliebhaber und daher fasziniert von dem ungewöhnlichen Zusammenspiel aus Robotern und Natur.

April 24, 2019

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